Im digitalen Zeitalter sammeln wir im Laufe unseres Lebens zahlreiche virtuelle Spuren – von Social-Media-Accounts über Cloud-Speicher bis hin zu Online-Banking und Abonnements. Während wir traditionell für materielle Besitztümer Vorkehrungen treffen, bleibt der digitale Nachlass oft unbeachtet. Doch was geschieht mit unseren Online-Identitäten, gespeicherten Erinnerungen und digitalen Vermögenswerten, wenn wir einmal nicht mehr sind?
Die Vorsorge für den digitalen Nachlass ist mittlerweile ebenso wichtig wie die klassische Nachlassplanung. Ohne klare Regelungen können Angehörige vor erheblichen Hürden stehen – von fehlenden Zugangsdaten bis hin zu rechtlichen Grauzonen bei der Übertragung digitaler Güter. Eine frühzeitige digitale Nachlassplanung ermöglicht nicht nur die selbstbestimmte Weitergabe persönlicher Daten und Accounts, sondern erspart Hinterbliebenen auch zusätzliche Belastungen in einer ohnehin schweren Zeit.
Digitaler Nachlass in Zahlen: In Deutschland besitzt ein durchschnittlicher Internetnutzer etwa 50-100 Online-Konten – Tendenz steigend.
Rechtslage: Digitale Inhalte werden seit 2018 rechtlich als vererbbar angesehen, jedoch haben viele Plattformen eigene Regelungen zur Nachlasskontenverwaltung.
Vorsorge-Tipp: Eine Übersicht aller Online-Konten mit Zugangsdaten sowie klare Anweisungen zur Handhabung sollten an einem sicheren Ort hinterlegt und regelmäßig aktualisiert werden.
Digitaler Nachlass: Warum virtuelle Vorsorge heute unerlässlich ist
In der digitalen Ära hinterlässt jeder von uns einen umfangreichen virtuellen Fußabdruck, der von Social-Media-Konten über Online-Banking bis hin zu Cloud-Speichern mit persönlichen Dokumenten reicht. Die Regelung dieses digitalen Erbes erfordert ähnliche Sorgfalt wie die Planung finanzieller Angelegenheiten und sollte nicht dem Zufall überlassen werden. Ohne entsprechende Vorkehrungen können Angehörige vor nahezu unüberwindbaren Hürden stehen, wenn sie versuchen, auf wichtige Daten zuzugreifen oder Online-Konten aufzulösen. Digitale Vorsorge ist daher nicht nur ein Akt der Selbstorganisation, sondern auch ein wichtiger Dienst an den Hinterbliebenen, der ihnen in einer ohnehin schweren Zeit unnötige Belastungen erspart.
Die wichtigsten digitalen Konten und Zugänge für den Nachlass
Bei der Organisation des digitalen Nachlasses sollte man zunächst die wichtigsten Online-Konten identifizieren, die nach dem eigenen Tod geregelt werden müssen. E-Mail-Dienste wie Gmail oder Outlook stehen dabei an erster Stelle, da sie oft als Zugang zu weiteren digitalen Diensten fungieren und persönliche Kommunikation enthalten. Soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram und LinkedIn sollten ebenfalls berücksichtigt werden, da hier zahlreiche persönliche Erinnerungen und Kontakte gespeichert sind. Auch Cloud-Speicherdienste wie Dropbox, Google Drive oder iCloud verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil dort oft wichtige Dokumente und Fotos lagern, die für Angehörige von großem emotionalen oder praktischen Wert sein können. Nicht zu vergessen sind zudem Finanzkonten wie PayPal, Online-Banking oder Kryptowährungen, die erhebliche Vermögenswerte enthalten können und ohne entsprechende Zugangsdaten für die Erben verloren gehen würden. Seit der umfassenden EU-Datenschutzreform 2023 haben Plattformbetreiber ihre Nachlass-Regelungen zwar vereinheitlicht, dennoch bleibt eine persönliche Vorsorge durch Hinterlegung der Zugangsdaten unerlässlich.
Rechtliche Grundlagen zur digitalen Nachlassregelung

Die rechtliche Situation zum digitalen Nachlass ist in Deutschland noch nicht umfassend geregelt, weshalb Vorsorge besonders wichtig wird. Nach gängiger Rechtsauffassung gehen digitale Konten und Verträge im Erbfall auf die Erben über, die dann grundsätzlich in die Rechtsposition des Verstorbenen eintreten. Besonders bei der digitalen Vermögensverwaltung ist eine klare Dokumentation wichtig, um Zugriffsprobleme für die Hinterbliebenen zu vermeiden. Das Bundesgerichtshof-Urteil von 2018 hat die Position der Erben gestärkt, indem es klarstellte, dass der digitale Nachlass wie materielles Vermögen zu behandeln ist und Erben ein Recht auf Zugang zu den Accounts des Verstorbenen haben.
Praktische Tools und Dienste zur Organisation des digitalen Erbes
Zur effektiven Verwaltung des digitalen Nachlasses stehen heute spezialisierte Plattformen wie DigitalEstate oder LegacyLocker zur Verfügung, die als zentrale Sammelstellen für Zugangsdaten und Anweisungen dienen. Moderne Passwort-Manager bieten seit 2023 zunehmend Notfallzugriff-Funktionen an, die vertrauenswürdigen Personen im Todesfall kontrollierten Zugang zu wichtigen Konten ermöglichen. Digitale Nachlassdienste wie Eternime oder MyWishes gehen noch einen Schritt weiter und erlauben die Erstellung virtueller Gedenkseiten oder sogar die posthume Kommunikation über Social-Media-Kanäle. Viele Banken und Versicherungen haben bis Ende 2024 eigene digitale Vorsorge-Pakete entwickelt, die neben klassischen Vermögenswerten auch den Umgang mit Online-Konten und digitalen Besitztümern regeln.
- Spezialisierte Plattformen fungieren als zentrale Sammelstellen für digitale Zugangsdaten.
- Passwort-Manager bieten Notfallzugriff-Funktionen für vertrauenswürdige Personen.
- Digitale Nachlassdienste ermöglichen virtuelle Gedenkseiten und posthume Kommunikation.
- Banken und Versicherungen haben digitale Vorsorge-Pakete für Online-Konten entwickelt.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung eines digitalen Nachlassplans
Die Erstellung eines digitalen Nachlassplans beginnt mit der Inventarisierung aller Online-Konten, Abonnements und digitalen Vermögenswerte, wobei keine noch so unwichtig erscheinende Plattform übersehen werden sollte. Im zweiten Schritt legen Sie fest, welche digitalen Inhalte nach Ihrem Tod gelöscht, archiviert oder an bestimmte Personen übertragen werden sollen und dokumentieren diese Wünsche schriftlich. Anschließend bestimmen Sie einen digitalen Nachlassverwalter, dem Sie vertrauen und der über ausreichende technische Kenntnisse verfügt, um Ihre Anweisungen umzusetzen. Der vierte Schritt umfasst die sichere Hinterlegung aller notwendigen Zugangsdaten, idealerweise in einem verschlüsselten Passwortmanager oder bei einem Notar, zusammen mit detaillierten Handlungsanweisungen. Überprüfen und aktualisieren Sie Ihren digitalen Nachlassplan mindestens einmal jährlich, um sicherzustellen, dass neue Konten hinzugefügt und nicht mehr genutzte entfernt werden.
Ein vollständiger digitaler Nachlassplan sollte mindestens 3 Elemente enthalten: eine komplette Inventarliste aller Online-Konten, klare Handlungsanweisungen für jedes Konto und die sichere Hinterlegung von Zugangsdaten.
Laut Umfragen haben weniger als 20% der Internetnutzer Vorkehrungen für ihren digitalen Nachlass getroffen, obwohl der durchschnittliche Nutzer über 80 Online-Konten besitzt.
Die frühzeitige Planung des digitalen Nachlasses erspart Angehörigen aufwändige Recherchen und rechtliche Komplikationen, da viele Plattformen ohne Zugangsdaten keine oder nur eingeschränkte Auskunft geben.
Fallstricke vermeiden: Häufige Fehler bei der digitalen Vorsorge
Bei der digitalen Nachlassplanung unterlaufen vielen Menschen gravierende Fehler, die später zu Problemen führen können – etwa das Versäumnis, wichtige Zugangsdaten an einem sicheren Ort zu hinterlegen oder regelmäßig zu aktualisieren. Ein weiterer kritischer Fehler ist das Fehlen einer rechtsgültigen Vollmacht, die es Angehörigen erlaubt, nach dem Tod auf digitale Konten zuzugreifen, wobei die Situation mit Verstopfungen vergleichbar ist, die den Zugang blockieren. Unterschätzen Sie auch nicht die Bedeutung einer klaren Kommunikation mit Ihren Vertrauenspersonen darüber, wie mit Ihren persönlichen Daten, Social-Media-Profilen und Online-Abonnements verfahren werden soll.
Häufige Fragen zum Digitalen Nachlass
Was gehört alles zum digitalen Nachlass?
Der digitale Nachlass umfasst sämtliche Online-Konten, virtuelle Vermögenswerte und Datenspuren, die ein Mensch während seines Lebens hinterlässt. Dazu zählen E-Mail-Accounts, Social-Media-Profile, Cloud-Speicher, Online-Banking-Zugänge, Abonnements bei Streaming-Diensten, digitale Einkäufe, Kryptowährungen sowie persönliche Fotos und Dokumente. Auch Mitgliedschaften auf Online-Plattformen, käuflich erworbene digitale Inhalte und elektronische Vertragsbeziehungen gehören zur digitalen Hinterlassenschaft. Bedenken Sie: Mit zunehmendem Alter wächst der virtuelle Fußabdruck, den Menschen im Internet hinterlassen, kontinuierlich an.
Warum ist die Regelung des digitalen Nachlasses wichtig?
Die Regelung der elektronischen Hinterlassenschaft ist aus mehreren Gründen essentiell. Ohne klare Anweisungen haben Angehörige oft keinen Zugriff auf wichtige Online-Konten und digitale Vermögenswerte. Dies kann zu finanziellen Verlusten führen, wenn etwa Abonnements weiterlaufen oder Kryptoguthaben unzugänglich bleiben. Zudem können persönliche Erinnerungen wie Fotos oder Nachrichten verloren gehen. Ein ungeordneter virtueller Nachlass birgt auch Identitätsrisiken, da ungesicherte Accounts von Kriminellen missbraucht werden können. Nicht zuletzt kann die digitale Spurensuche für Hinterbliebene emotional belastend und zeitraubend sein, während manche Online-Präsenzen ohne Regelung als „digitale Geisterprofile“ bestehen bleiben.
Wie erstelle ich eine digitale Nachlassverfügung?
Für eine wirksame digitale Nachlassverfügung sollten Sie zunächst eine Bestandsaufnahme aller Online-Konten, virtuellen Vermögenswerte und Cloud-Speicher durchführen. Erstellen Sie eine strukturierte Übersicht mit Benutzernamen und Zugangsdaten – diese können Sie in einem Passwort-Manager oder einem verschlüsselten Dokument speichern. Definieren Sie anschließend klare Handlungsanweisungen für jeden digitalen Vermögenswert: Was soll gelöscht, archiviert oder an Angehörige übertragen werden? Bestimmen Sie einen digitalen Nachlassverwalter Ihres Vertrauens und hinterlegen Sie bei diesem Person die notwendigen Zugangsinformationen sowie Ihre Wünsche. Prüfen Sie zusätzlich die nachlassbezogenen Funktionen der wichtigsten Plattformen wie Facebooks „Nachlasskontakt“ oder Googles „Kontoinaktivität-Manager“. Eine regelmäßige Aktualisierung der elektronischen Nachlassplanung ist unerlässlich.
Können Angehörige nach meinem Tod auf meine E-Mails und Social-Media-Konten zugreifen?
Der Zugriff auf elektronische Kommunikation und Social-Media-Profile ist rechtlich komplex. Grundsätzlich gehen digitale Konten als Teil des Vermögens auf die Erben über, die damit theoretisch auch Zugangsrechte erhalten. In der Praxis erschweren jedoch die Nutzungsbedingungen der Plattformen und Datenschutzgesetze den Zugang erheblich. Viele Online-Dienste bieten spezielle Vorsorge-Funktionen: Bei Facebook kann ein „Nachlasskontakt“ bestimmt werden, Google bietet einen „Inaktivitäts-Manager“, und Apple ermöglicht die „Digitale Nachlassregelung“. Ohne entsprechende Vorkehrungen müssen Hinterbliebene oft langwierige Verfahren durchlaufen und Sterbeurkunden vorlegen, um überhaupt eine Chance auf Zugang zu haben. Die virtuelle Nachlassplanung durch Hinterlegung von Zugangsdaten und klaren Anweisungen ist daher essenziell.
Welche rechtlichen Grundlagen gelten für den digitalen Nachlass in Deutschland?
In Deutschland existiert bislang kein spezifisches Gesetz zur digitalen Hinterlassenschaft. Stattdessen gilt das allgemeine Erbrecht: Virtuelle Vermögenswerte und Online-Konten werden grundsätzlich wie materielles Vermögen behandelt und gehen auf die Erben über. Dies bestätigte der Bundesgerichtshof 2018 in einem wegweisenden Urteil zum Facebook-Konto einer Verstorbenen. Allerdings können Nutzungsbedingungen internationaler Plattformen den Zugriff erschweren. Die DSGVO schützt persönliche Daten auch nach dem Tod nicht mehr, jedoch können postmortale Persönlichkeitsrechte betroffen sein. Bei elektronischen Geschäftsbeziehungen wie Online-Banking gilt das Bankgeheimnis fort. Für kryptografische Vermögenswerte ist die rechtliche Situation besonders komplex, da hier ohne private Schlüssel faktisch keine Übertragungsmöglichkeit besteht – selbst wenn erbrechtlich ein Anspruch existiert.
Wie unterscheiden sich Passwort-Manager und Nachlass-Dienste bei der digitalen Vorsorge?
Passwort-Manager und spezielle Nachlass-Dienste erfüllen unterschiedliche Funktionen bei der virtuellen Vorsorgeplanung. Klassische Passwort-Tresore wie LastPass oder Bitwarden speichern primär Zugangsdaten verschlüsselt und bieten teilweise Notfallzugriffe für vertraute Personen. Sie fokussieren sich auf Sicherheit im Alltag, bieten aber meist nur rudimentäre Funktionen für den Todesfall. Spezialisierte digitale Nachlass-Dienste wie Digittestament oder Planned Departure gehen deutlich weiter: Sie ermöglichen detaillierte Handlungsanweisungen für jedes Konto, automatisierte Benachrichtigungen im Sterbefall und schrittweise Freigabemechanismen für Vertrauenspersonen. Zudem bieten sie oft rechtliche Beratung zur elektronischen Nachlassregelung und Dokumentvorlagen für Vollmachten. Der entscheidende Unterschied liegt im Konzept: Während Passwort-Manager Zugangsdaten verwalten, orchestrieren Nachlass-Dienste den kompletten digitalen Übergang nach dem Lebensende.
